Akkordeonspielring Weingarten

75 Jahre "Mit Musik durchs Leben"

Die Anfänge

Am 1.November 1937 wurde der „Handharmonika-Spielring Weingarten“ von einigen Idealisten ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder waren Herr Josef Ehnis, der damalige 1. Vorstand, Herr Friedrich Schempf, Hermann Koch, Ludwig Hummel, Hans Henning, Fritz Maier, Karl Enderle und Paul Windbiel. Etwas später kamen noch Wilhelm Görner, Kurt und Willi Steinert hinzu. Als erster musikalischer Leiter wurde damals Hugo Greis aus Karlsruhe-Durlach verpflichtet. Man traf sich im „Gasthaus zur Sonne“ zur Probe und konnte bereits am 6. Februar 1938 ein Werbekonzert spielen.
Während den Vorbereitungen zum ersten Konzert in der „Kärcherhalle“ verstarb der 1. Vorsitzende Josef  Ehnis. Nachfolger wurde Friedrich Schempf. Große Opferbereitschaft, Idealismus und Freude am gemeinsamen Musizieren ließen das junge Orchester bald zu immer besseren Leistungen aufsteigen. Zunächst bereicherte man noch die kulturellen Veranstaltungen in Weingarten, doch schon bald konnte man große Erfolge bei Wertungsspielen verbuchen.
Während des Krieges und in den Nachkriegsjahren war es nur unter erschwerten Bedingungen möglich die Harmonika-Musik in Weingarten am Leben zu erhalten. Viele Spieler und der Dirigent wurden in den Wehrdienst einberufen.  In alten Aufzeichnungen ist nachzulesen, dass von August 1939 bis Februar 1940 die Musikstunde infolge Krieg und Kälte ausfallen musste. Einige Spieler und aktive Mitglieder kamen nicht mehr aus dem Krieg zurück.
Trotz allen Widerständen haben 18 Spieler der Harmonika die Treue gehalten. Und unter zwischenzeitlicher Leitung junger Spieler wie Kurt Leibersperger (Hellberg-Duo) wurde 1940 sogar ein Konzert zugunsten des Roten Kreuzes gegeben.

 

Die Wiedergründung

Unter erschwerten Bedingungen versuchte man 1946 einen Neuanfang mit Kurt Steinert als Vorstand. Jedoch war es erst nach der Währungsreform 1948 möglich einen Neuaufbau des Orchesters zu verwirklichen. Vorraussetzung hierfür war zunächst die Ausbildung geeigneter Nachwuchsspieler aller Alterstufen. Auch hier hat sich Herr Kurt Leibersperger besondere Verdienste erworben.
1950 konnte man bereits ein Großkonzert der Jugend unter dem Motto, das wir für unser diesjähriges Jubiläum aufgegriffen haben, „Mit Musik durchs Leben“ spielen.
1951 war es dann soweit. Der Harmonika-Spielring wurde mit einem Volkskonzert unter Leitung von Kurt Leibersperger wiedergegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde Friedrich Schempf gewählt.

 

Ludwig Pfeffer als Dirigent verpflichtet

Im Jahre 1952 konnte Ludwig Pfeffer als Dirigent verpflichtet werden. Von da an begann ein steiler Aufstieg des Orchesters in seiner musikalischen Leistung. Das Orchester nahm an verschiedenen Wertungsspielen erfolgreich teil und richtete sogar selbst Bezirksmeisterschaften aus.
1955 erfolgte die Umschulung der meisten Spieler von diatonischen auf  chromatisches Akkordeon. Hierdurch eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten im musikalischen Bereich. Neue Literatur, die mit dem diatonischem Akkordeon  nicht zu meistern war, konnte nun in Angriff genommen werden. Nur durch Fleiß und großen Ehrgeiz jedes einzelnen Spielers war diese Umstellung so schnell zu bewerkstelligen.
Herr Ludwig Pfeffer, der das Orchester zu einem hervorragenden Klangkörper formte, was zahlreiche Preise bei Wertungsspielen bestätigen, erhielt viele Auszeichnungen vom DHV für seine Leistungen, darunter unter anderem die Hermann Schittenhelm-Medaille.
Ludwig Pfeffer bildete mehrere Generationen von Nachwuchsspielern aus und leitete das Orchester bis zu seinem 74. Lebensjahr im  Jahre 1995. Viele ältere Spieler des Orchesters wurden noch von  ihm ausgebildet. Im August 1999 verstarb unser Ehrendirigent.
1971 übergab Friedrich Schempf seinen 1. Vorsitz an Kurt Steinert, der den Verein erfolgreich bis zu seinem plötzlichen Tod 1991 führte.

 

40 Jahre Handharmonika-Club Weingarten


Sein 40-jähriges Jubiläum feierte der Harmonika-Spielring mit einem Großkonzert besonderer Klasse. Mit 90 Mitwirkenden eröffneten die Jugendorchester aus Östringen, Untergrombach und Weingarten unter Leitung von Wolfgang Pfeffer am 21. Mai 1977 gemeinsam das Jubiläumskonzert. Im ersten Teil des Konzerts stellten sich die 1.Orchester aus Ubstadt, Östringen, Untergrombach und Weingarten mit konzertanter Musik wie „Dalmatinische Tänze“ und „Bagatelle“ vor, um dann  mit 97 Mitwirkenden gemeinsam den unterhaltenden Teil des Konzerts zu bestreiten. Noch heute wundert man sich, wenn man die alten Fotos sieht, dass die Bühne der Walzbachhalle dann doch so stabil war.
1985 unternahm das 1. Orchester eine Konzertreise mit dem Gesangverein „Liederkranz“ nach Olesa de Montserrat, unserer Partnergemeinde in Spanien.  Diese Konzertreise war für alle Teilnehmenden ein besonderes Erlebnis. 16 Stunden Busfahrt bepackt mit Konzertkleidern und Instrumenten förderte die Geselligkeit unter den Spielern. Die Gewissheit, dass man wieder 16 Stunden lang den gleichen Weg zurück musste, tat dem keinen Abbruch. In Olesa wurde nicht nur gefeiert, sondern auch musiziert. In der Kathedrale des Kloster Montserrat waren besonders unser Dirigent Ludwig Pfeffer und unser Vorstand Kurt Steinert gefordert. Nach hartnäckigen Diskussionen über unsere Verstärker und elektronischen Instrumente durften wir als erstes Akkordeonorchester in der Kathedrale spielen.

 

Vom Handharmonika-Club zum Akkordeon-Spielring


1991 beschloss die Verwaltung des Handharmonia-Clubs noch unter dem Vorsitz von Kurt Steinert sich nicht nur musikalisch sondern auch namentlich der neuen Zeit anzupassen. Und so wurde mit dem Eintrag ins Vereinsregister aus dem Handharmonika-Club Weingarten 1937 der Akkordeon-Spielring Weingarten e.V. In den 90er Jahren traten einige Änderungen in unser Vereinsleben. Margrit Steinert wurde nach dem Tod ihres Vaters zur neuen Vorsitzenden gewählt. 1995 verabschiedeten wir unseren Dirigenten Ludwig Pfeffer  in den wohlverdienten Ruhestand, nachdem er 40Jahre lang das Orchester geformt und zu musikalischen Höchstleistungen angespornt hatte. Seine Nachfolge trat Uwe Höhn an, der das Orchester bis zum heutigen Tage mit viel Ehrgeiz leitet.

 

Seit 1995 dirigiert Uwe Höhn das Orchester


Und auch mit ihm haben wir schon so einiges erlebt. Neben Konzerten, Auftritten bei befreundeten Vereinen, Ausflüge und allem was zum Vereinsleben hinzugehört ist doch einiges hervorzuheben. So wurde 1999 im Europapark in Rust mit Hilfe von Uwe Höhn und unseren Schülern ein musikalischer Weltrekord eingestellt. Gotthilf Fischer dirigierte bei der Fete de la musique 1611 Akkordeonspieler, die angelblich alle gleichzeitig die Eurovisonsfanfare spielten. Da war „Brundibar“ ein Musical mit Kinderchor, wir ließen die Mauern von Jericho einstürzen und gaben unser erstes Gruselkonzert an Halloween.
Der „Beamer“ hielt in unseren Konzerten Einzug, so dass wir unsere Zuhörer nicht nur mit Musik erfreuen können, sondern auch visuell.
Und so wie wir Uwe Höhn und unseren Verein kennen, wird das noch lange nicht der Höhepunkt gewesen sein.

 

Die Entwicklung eines Akkordeonorchesters als Klangkörper


Im Laufe der Zeit hat sich nicht nur die Selbstdarstellung der Orchester und das Akkordeon verändert, sondern auch der Klangkörper. In den Anfängen der Orchester begleiteten sich die Spieler noch selbst mit der Bassseite. Der Zungenbass sollte dies ändern. Fortan spielte man im Orchester nur noch mit der Diskantseite. Die Begleitung übernahm der Bass mit der vierten Stimmt. Mit dem Einzug des Elektroniums, ein elektronisches Instrument, das eine ganze Reihe klassischer Instrumente nachahmen kann, ins Orchester erschlossen sich dann auch neue Möglichkeiten im solistischen und klanglichen Bereich. 

 

Die Ideale des Akkordeon-Spielrings


Eine Herzensangelegenheit des Akkordeon-Spielrings ist seit seinem Bestehen die Ausbildung und Förderung der Jugend, sowohl im solistischen Bereich, wie auch im Zusammenspiel. In all den Jahren haben unsere Orchester und Solisten viele Preise in Wertungsspielen errungen.
Ein roter Faden zog sich jedoch durch das 75-jährige Vereinsleben des Akkordeon-Spielrings. Dies waren die zahlreichen Auftritte bei Wohltätigkeitsveranstaltungen, die Geselligkeit und vor allem die Freude am musizieren. „Mit Musik durchs Leben.“